Der »unterwegs«-Adventskalender zum 2. Dezember
Der »unterwegs«-Adventskalender zum 1. Dezember
»Ich freue mich richtig darauf«
Nach einem Wahlmarathon wurde Michael Diener am 10. November in den Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gewählt. Damit ist erstmals ein amtierender Vorsitzender der Evangelischen Allianz Mitglied des EKD-Leitungsgremiums. Nach seiner Wahl hat Volker Kiemle mit ihm über seine Pläne gesprochen.
Sie haben in Ihrer Vorstellung vor der Synode erklärt, sie würden sich im Rat für eine Vertiefung der Einheit der EKD-Gliedkirchen einsetzen. Was ist dazu konkret zu tun?
Michael Diener: Gerade als Pietist weiß ich um die Bedeutung unterschiedlicher Glaubensprofile. Für mich ist es wirklich Reichtum, dass wir in unserem Land lutherische, unierte und reformierte Kirchen und Gemeinden innerhalb der EKD haben, die dann ja auch untereinander nochmals sehr unterschiedlich sind. Ich finde schon, dass der Rat der EKD dazu beitragen kann, dass das Miteinander wertschätzend, voneinander lernend und einander unterstützend erfolgt. Das wird wichtig werden, gerade dann, wenn vielleicht eher »magere Jahre« kommen und auf eine derartige dem biblischen »Leibgedanken« entsprechende Kultur will ich gerne achten.
Welche missionarischen Herausforderungen sehen Sie für die EKD in den kommenden Jahren und wie wollen Sie sich im Rat dafür einsetzen, diesen Herausforderungen zu begegnen?
Michael Diener: Die missionarischen Herausforderungen sind unverkennbar. Wir haben – von der jüngsten Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung bestätigt – einen Traditionsabbruch, was Weitergabe des evangelischen Glaubens im privaten Leben angeht. Wir erleben, gerade auch im Osten unseres Landes, eine weithin säkularisierte Gesellschaft, die nur ein begrenztes Interesse an »klassischen Glaubensthemen« aufweist und für die Institutionen generell nicht besonders vertrauenswürdig sind. Wir begrüßen in diesen Monaten vermehrt Menschen muslimischen Glaubens in unseren Gemeinwesen. Wenn das alles keine Herausforderungen sind?! Hinzu kommt eine immer wieder spürbare Verunsicherung, ob und gegenüber wem denn evangelische Christen überhaupt missionarisch auftreten, leben sollen. Ich glaube schon, dass der Rat der EKD in den kommenden Jahren an diesen Fragen nicht vorbeigehen kann und will. Viele wissen, dass ich das Dokument »christliches Zeugnis in multireligiöser Welt«, welches 2011 vom Ökumenischen Rat der Kirchen, dem Päpstlichen Rat für den Interreligiösen Dialog und der Weltweiten Evangelischen Allianz verabschiedet wurde, für einen echten Glücksfall halte. In dieser Breite und Weite ist noch nie zuvor eine »Ethik der Mission« formuliert und verabschiedet worden und ich möchte mich dafür einsetzen, dass wir auf der Grundlage dieses Papiers die missionarischen Herausforderungen auf allen Ebenen unserer Kirche weiterhin und verstärkt wahrnehmen und annehmen.
Wie kann der Rat der EKD die Arbeit an der Basis – in Kirchengemeinden und Werken – unterstützen und stärken?
Michael Diener: Natürlich ist das zuallererst einmal Sache der Landeskirchen und das ist gut so. Aber als 2006 das Impulspapier »Kirche der Freiheit« für Furore in der EKD sorgte, da war ich als Dekan noch gut in landeskirchlichen Strukturen beheimatet und ich habe wahrgenommen, wie – teils auch ungerechtfertigt – dieses Papier für Demotivation an der Basis sorgte. Es ist damals leider nicht gelungen, Haupt- wie Ehrenamtlichen Wertschätzung für ihren Dienst entgegen zu bringen. Gerade Pfarrerinnen und Pfarrer fühlten sich von den Aussagen des Papiers eher gemaßregelt und abgewertet. Und auch wenn ich selbst, aus unterschiedlichen Gründen, »Kirche der Freiheit« bis heute für ein wichtiges und gutes Papier halte, werden kirchliche Strukturreformen, eine gewisse Verökonomisierung von Kirche, aber auch die Installierung von »Leuchtturmprojekten« eher als Abwendung von der gemeindlichen Basis verstanden. Das zeigt, dass auch der Rat mit seinen Stellungnahmen und Entscheidungen nicht unbedeutend ist für die Basisarbeit unserer evangelischen Kirche. Ich glaube, dass wir allesamt gemeinsam darauf achten werden, wie das, was wir sagen und tun, von denen wahrgenommen wird, die das unverwechselbare und unaufgebbare »Gesicht unserer Kirche« an der Basis bilden.
Sie werden als Vertreter des Pietismus wahrgenommen. Wie gehen Sie mit den vielen Erwartungen, die sich mit dem Etikett verbinden, um?
Michael Diener: So wie in all den vergangenen Jahren auch schon. Soll heißen unaufgeregt und sachlich. Ich »spiele nicht Pietist«, ich bin es und deshalb ist das erst einmal etwas ganz Natürliches. Dann achte ich darauf, dass ich andere Menschen nicht schubladisiere und dass andere das nicht mit mir machen – einfach weil es die Begegnungen so entscheidend erschwert, wenn nur noch die Vor-Urteile entscheiden. Und dann versuche ich immer wieder deutlich zu machen, dass es Pietisten mit unterschiedlichsten Profilen gibt. Und dementsprechend gibt es Ablehnung und Zustimmung. Ich möchte Menschen nicht enttäuschen, aber manchmal muss das sein. Andere von einer Täuschung befreien, etwa der, dass es im Pietismus zu vielen Sachfragen nur eine Haltung gäbe. Und ich versuche zu antworten. Ich kann schon behaupten, dass ich auf alle Briefe, Mails, Posts, die nur einigermaßen sachlich bleiben, auch antworte. Ich will hören und lernen. Ich mache Fehler und brauche Korrektur. Also bleibe ich hörbereit und ich will wirklich dienen mit meinen Gaben. Und schließlich lasse ich eine bestimmte Form von Kritik und Ablehnung auch nicht mehr an mich heran und bestimmte Erwartungen auch nicht. Wenn ich in diesen Tagen ernsthaft dazu aufgefordert werde, »endlich den Geist Gottes in die EKD« zu bringen, dann macht mich das einfach nur traurig. Welch eine Anmaßung – welch eine Blindheit gegenüber dem Wirken Gottes – welch ein falsches Verständnis vom Heiligen Geist und welch eine vollkommen falsche Einschätzung meiner Person. Ich komme ja aus der deutschen Schuhstadt Pirmasens: derartige Schuhe ziehe ich mir schon lange nicht mehr an und deshalb bekomme ich auch keine Blasen.
Wie wollen Sie das pietistische und evangelikale Profil im Rat vertreten?
Michael Diener: Im Grunde habe ich mich dazu eben schon geäußert. Ich werde das unaufgeregt und sachlich, im Miteinander und Aufeinander Hören tun.
Nicht als »Programm« oder »Strategie«, sondern als Person. Nicht als Lobbyist für bestimmte Fragen, sondern mit einem tiefen Interesse am weiteren Weg unserer, meiner Kirche. Ich werde das demütig, lernbereit und zugleich klar in meinen eigenen Aussagen tun und hoffentlich, hoffentlich – bei aller Ernsthaftigkeit – auch mit viel Humor. Und ich freue mich richtig, darauf, dass 15 Menschen jetzt für sechs Jahre die Chance haben, miteinander geistlich, menschlich, kirchlich unterwegs zu sein.
Welch ein Vorrecht.
Dr. Michael Diener ist Präses des Gnadauer Gemeinschaftsverbandes und seit 2011 Vorsitzender der Evangelischen Allianz in Deutschland.
Foto: Gnadauer Gemeinschaftsverband
Aus der Traum
Wie gerne haben wir es geglaubt, das Märchen vom guten Auto: War der Diesel früher das Symbol für die Dreckschleuder schlechthin, so galt er seit ein paar Jahren als sauber und umweltfreundlich. Der VW-Skandal hat diesen Kinderglauben ins Wanken gebracht. Wir müssen erkennen: Autos sind per se umweltschädlich – von der Produktion über die Abgase bis zur Verschrottung.
Wir übersehen gerne die wahren Kosten der Auto-Mobilität: Jeden Tag werden in Deutschland bei Verkehrsunfällen mehr als 1.000 Menschen verletzt, 190 davon schwer. Zehn Menschen sterben jeden Tag auf Deutschlands Straßen. Alle 18 Minuten kommt ein Kind unter 15 Jahren im Straßenverkehr zu Schaden, 71 Kinder starben im vergangenen Jahr.
55 Millionen Autos verpesten hierzulande die Luft. Allein im vergangenen Jahr wurden mehr als drei Millionen Neuwagen zugelassen, den größten Zuwachs gab es bei den Geländelimousinen und Geländewagen. Die Spritfresser haben sich zur beliebtesten Fahrzeugklasse entwickelt. Der VW-Skandal wäre eine Chance, sich diesen Irrsinn einzugestehen und neue Wege zu gehen. Ideen und Innovationen gibt es genug – auch solche, die Arbeitsplätze schaffen oder erhalten. Allerdings müssten dann auch wir Autokäufer von den geländegängigen PS-Boliden auf sparsamere Wagen umsteigen. Die Politik könnte schon mal vorausgehen und den öffentlichen Nahverkehr entschlossen ausbauen – statt immer mehr Straßen zu bauen.
Volker Kiemle
Dankbar!
»Beginne den Tag mit einem Lächeln – das irritiert die Leute.« Der Spruch auf dem Tassen-Untersetzer machte mich stutzig. Warum sollte ein Lächeln irritieren? Sind fröhliche Menschen nicht eher ansteckend? Darf ich jetzt nur noch lächeln, wenn ich ich meine Umwelt verwirren will?
Der Satz geht mir nach. Tatsächlich schauen die meisten Menschen eher grimmig in die Welt. In der U-Bahn, auf der Straße, selbst in der Kirche: Die heruntergezogenen Mundwinkel sind all überall. Da ist es wirklich selten, wenn mal jemand lächelt.
Vermutlich ist vielen Menschen nicht zum Lächeln zumute. Am Morgen haben sie Angst vor dem, was der Tag bringt. Tagsüber ärgern sie sich über den Chef oder die Kollegen.
Und abends nerven die Kinder, der Partner oder die Rechnungen, die wieder im Briefkasten waren. Klar, dass der Schlaf da nicht erholsam sein kann.
Auch über die deutsche Wiedervereinigung, die vor 25 Jahren besiegelt wurde, freuen sich nicht alle Menschen. Manche hadern noch heute damit – weil sie ihrer Lebensperspektive beraubt wurden, weil ihre Lebenserfahrung plötzlich nichts mehr wert war, oder einfach, weil sie sich eine andere Art der Vereinigung gewünscht hatten. Doch bei den meisten überwiegt die Dankbarkeit. Damit sind die Probleme nicht einfach weg. Aber wer dankbar ist, gewinnt einen neuen Blick. Und so macht Dankbarkeit nicht nur fröhlich, sondern frei.
Volker Kiemle
Höchste Zeit!
Offensichtlich tut sich Deutschland schwer, einen normalen und sachlichen Umgang mit Flüchtlingen zu finden: Entweder es gibt Krawall oder Willkommensbeifall. Nach gewalttätigen Demonstrationen, Brandanschlägen und Hetzjagden gegen Flüchtlinge erleben wir jetzt eine fast euphorische Hilfsbereitschaft. Viele Menschen packen einfach zu und helfen – da sage noch einer, wir Deutschen würden ständig nach dem Staat rufen!
Folgerichtig sonnten sich die Abgeordneten des Bundestags bei der Generaldebatte am 9. September gerne im Licht, das die kollektive Hilfsaktion auf Deutschland wirft – und verdeckten damit ihr eigenes Versagen:
Es ist nicht wirklich überraschend, dass so viele Menschen nach Europa kommen. Krieg, Terror oder katastrophale wirtschaftliche Verhältnisse und die Hoffnung auf ein menschenwürdiges Leben treiben sie aus ihrer Heimat. Die Kriege werden auch mit deutschen Waffen geführt, deren Ausfuhr die Bundesregierung einfach stoppen könnte. Und die Regierung könnte die Hilfen für die Herkunftsländer der Flüchtlinge – etwa für den Balkan – kräftig aufstocken. Zudem haben es alle bisherigen Regierungen versäumt, ein richtiges Einwanderungsgesetz mit klaren Bestimmungen für die Integration zu schaffen, geschweige denn auf den Weg zu bringen. Stattdessen erschöpft sich die Politik in operativer Hektik und kurzfristigen Aktionen. Besonders lächerlich machen sich jene Politiker, die jetzt ein Einwanderungsgesetz fordern, aber nicht in der Lage sind, wenigstens einen Entwurf zu erarbeiten.
Dazu ist es höchste Zeit!
Volker Kiemle
Facebook, Twitter und Co: Was Eltern wissen müssen
Mobiltelefone, die ständig mit dem Internet verbunden sind, gehören zum Alltagsbild. Besonders Jugendliche sieht man kaum ohne diesen ständigen Begleiter. Doch viele Eltern wissen nicht, was ihre Kinder da machen und welche Gefahren es gibt. Volker Kiemle gibt einen kurzen Überblick.
Computer und Handys gehören für Kinder und Jugendliche zum Alltag. Fast alle 14- bis 24-Jährigen nutzen das Internet, bei den Jüngeren steigt die Nutzung stetig an. Dabei geht der Trend eindeutig zum »immer und überall«: Über Smartphones, also internetfähige Mobiltelefone, sind die jungen Menschen rund um die Uhr online.
Besonders beliebt sind sogenannte »Soziale Medien« (Social Media) wie Facebook, Whatsapp, Twitter und Instagram. Texte, Bilder oder Videos – kurz »Inhalte« genannt –, die dort veröffentlicht werden, verbreiten sich rasend schnell und können kommentiert werden.
Unterschiede gibt es in der Funktionsweise und Kontrolle, die man als Nutzer über die Verbreitung hat.
Twitter und Instagram sind so etwas wie virtuelle schwarze Bretter. Twitter ist textorientiert, Instagram in erster Linie eine Bilderwand. Wichtig: Jeder, der Zugang zum Internet hat, kann alle Inhalte sehen, die auf diesen Plattformen veröffentlicht werden. Und alle können alles teilen – also unter dem eigenen Namen veröffentlichen. Wer Twitter und Instagram nutzt, muss wissen, dass seine Inhalte unbeschränkt weitergegeben werden.
Bei Facebook und Whatsapp kann man dagegen den Nutzerkreis theoretisch einschränken. Mit Whatsapp lassen sich Nachrichten verschicken. Dabei greift das Programm auf das Adressbuch des Mobiltelefons zu und erkennt automatisch, wer von den dort eingetragenen Personen Whatsapp nutzt und empfangsbereit ist. Das ist praktisch, ist aber datenschutztechnisch problematisch. Die meisten Nutzer nehmen das um der Bequemlichkeit willen in Kauf.
Alle wissen alles Facebook ist mit mehr als 1,4 Milliarden aktiven Nutzern das größte soziale Netzwerk der Welt. Mehr als 900 Millionen loggen sich täglich ein. Für viele Menschen ist Facebook mittlerweile das Kommunikationsmedium schlechthin, im Minutentakt checken sie die Nachrichten. Das Besondere bei Facebook ist die Möglichkeit, sich die Menschen, mit denen man sich vernetzt, auszusuchen. Diese »Freunde« lassen sich zudem in Gruppen aufteilen, so dass man bei jeder verschickten Nachricht (»Post« genannt) den Empfängerkreis bestimmen kann. Wenn allerdings ein Freund meinen Eintrag kommentiert oder teilt, können auch seine Freunde diesen Eintrag und die Kommentare lesen.
Je nach Interaktion weiß damit das ganze Internet, was ich gestern gemacht habe.
Wichtig für Eltern sind auch die Altersgrenzen; bei Facebook sind das 13 Jahre. Es ist auch nicht erlaubt, dass Eltern für ihre Kinder ein Facebook-Konto anlegen.
Allerdings können Kinder bei der Anmeldung einfach ein falsches Alter angeben.
Auch wenn es möglich ist, die Verbreitung eigener Inhalte in gewissem Umfang zu kontrollieren: Das Internet vergisst nichts. Ein Foto, das einmal veröffentlicht wurde, kann man nie wieder zuverlässig löschen. Denn wer das Foto auf dem eigenen Computer sehen kann, kann es herunterladen und weiterverbreiten.
- Unter dem Titel »Denn sie wissen, was sie tun!« gibt Volker Kiemle bei vier Vorträgen einen vertiefenden Einblick in die Welt von Facebook, Whatsapp, Youtube und Co. Dabei geht es um Chancen und Gefahren, um einen verantwortlichen Umgang und das, was Eltern wissen müssen.
Termine und Orte: 15. September, EmK Tübingen, Friedenskirche
29. September, EmK Winnenden, Jubiläumskirche
12. Oktober, EmK Karlsruhe, Erlöserkirche
5. November, EmK Nürnberg, Zionskirche.
Beginn jeweils 19 Uhr
Mehr über den Autor unter about.me/volkerkiemle
Gerechtigkeit als Illusion?
»Es gibt keine Gerechtigkeit, zumindest nicht auf Erden.« Das schreibt der österreichische Mathematiker Rudolf Taschner gleich zu Beginn seines Buchs »Gerechtigkeit siegt – aber nur im Film«. Auf den weiteren Seiten beschreibt er, wie ungerecht es auf der Welt und in der Wirtschaft zugeht und dass alle Versuche, Gerechtigkeit herzustellen, scheitern müssen. Allenfalls die frühe Investition in Bildung könne ein wenig mehr Gerechtigkeit schaffen. Begütert werden könne man aber heute nur durch Erbschaft oder durch Glück.
Eine ernüchternde Analyse. Aber nicht überraschend: Seit Menschengedenken hat die Herkunft darüber entschieden, ob man auf der Sonnen- oder Schattenseite des Lebens steht. Das vergangene Jahrhundert schien diesen Mechanismus überwunden zu haben: In vielen Ländern haben sich die Lebensbedingungen dramatisch verbessert, viele Menschen haben den Aufstieg aus dem Elend geschafft.
Bezahlt haben das allerdings andere: Menschen, die nach wie vor unter unsäglichen Bedingungen leben und arbeiten müssen, Kinder, die hungern und nicht zuletzt unsere Umwelt. Schon jetzt nehmen Umweltkatastrophen zu, darunter leiden vor allem die Menschen im Süden der Erde.
»Sünde« nennt Hans Martin Renno, der EmK-Referent für diakonische und gesellschaftspolitische Verantwortung, dieses Verhalten. Im Interview in der aktuellen »unterwegs«-Ausgabe erklärt er, was wir dagegen tun können – als kleinen Beitrag zu mehr Gerechtigkeit.
Volker Kiemle
Wenn die Angst regiert
»Kein Asylantenheim in meiner Nachbarschaft« – unter diesem Titel steht im Internet eine Karte, auf der alle bestehenden und geplanten Asylbewerberunterkünfte in Deutschland eingetragen sind. Nutzer sind aufgerufen, fehlende Adressen zu ergänzen.
Nun sind die Standorte nicht geheim; Anwohner werden immer informiert, wenn eine Unterkunft eingerichtet werden soll. Dennoch zeigt die Karte, dass Fremdenfeindlichkeit in unserem Land längst eine besorgniserregende Qualität erreicht hat. Aus fremdenfeindlichen Worten werden mehr und mehr Taten. In Freital nahe Dresden marschieren seit Wochen Asylgegner vor die Asylantenunterkunft am Ort. Am 16. Juli brannte im oberbayerischen Reichertshofen eine geplante Unterkunft für Asylbewerber nieder. Auch sie war auf der erwähnten Karte eingezeichnet. Eine diffuse Angst vor Fremden treibt die »Pegida«-Anhänger seit Monaten auf die Straße.
Wir können nicht alle aufnehmen, sagte Kanzlerin Angela Merkel einem jungen Mädchen aus dem Libanon, das gerne hier bleiben und studieren möchte, das aber von der Abschiebung bedroht ist. In Deutschland wurden im vergangenen Jahr 170.000 neue Asylanträge gestellt. Selbst wenn wir so viele Menschen in den nächsten 30 Jahren jährlich aufnähmen, würde die Bevölkerung Deutschlands schrumpfen – und damit unser Wohlstand. Angst ist da ein schlechter Ratgeber.
/kie