Die reine Lust am Feiern

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Roger Wassmuth / Foto: Carolin Merkel

Roger Wassmuth predigt gerne – auf der Kanzel und in der Bütt. Fastnacht und Kirche gehören für den Saarbrücker Methodisten einfach zusammen.

Seit Kindertagen, erinnert sich Roger Wassmuth aus Saarbrücken, liebt er das bunte Fastnachtstreiben.
Spätestens zur Straßenfastnacht machte er sich schon als Kind auf den Weg, um in meist selbstgemachten Kostümen beim Fastnachtsumzug in der Saarbrücker Innenstadt mitzufeiern. In seiner Familie, erzählt er, sei das nicht überall auf Gegenliebe gestoßen.
Doch er hat sich diese Lust am Feiern in der närrischen Jahreszeit bis heute nicht nehmen lassen. »Für mich gab es nie einen Spagat zwischen meinem Glauben und der Fastnacht«, betont der aktive Methodist.
Während Wassmuths Mutter katholisch ist, bekam er vom Vater den methodistischen Glauben in die Wiege gelegt – und hat, wie er betont, bis heute keinen einzigen Gedanken daran verschwendet, sich gegen die EmK zu entscheiden, auch wenn dort das Feiern von Fastnacht nicht von allen gerne gesehen wird. In seiner Jugend, sagt er, musste er schon manchmal einiges richtig stellen, »aber angefeindet worden bin ich wegen meines Glaubens nie«.
Wassmuth steht, das zeigt ein Gespräch mit ihm, mit beiden Beinen fest auf dem Boden, ist authentisch, lässt sich die Fastnacht nicht verbieten. »Ich kann für mich keine Stelle in der Bibel finden, in der die Fastnacht verboten würde«, sagt er. Die Bibel ist ein treuer Begleiter des 55 Jahre alten Ingenieurs, Arbeitgeber von zehn Mitarbeitern. Im Jahr 1992 hat Wassmuth den Laienpredigerdienst in Saarbrücken übernommen und predigt dort alle 14 Tage. »Die Vorbereitung darauf gibt mir sehr viel«, sagt er. »Wenn ich mich mit kirchlichen Texten beschäftige, bli-Die reine Lust am Feiern Roger Wassmuth predigt gerne – auf der Kanzel und in der Bütt. Fastnacht und Kirche gehören für den Saarbrücker Methodisten einfach zusammen. »Es ist wie ein Eintauchen in eine andere Welt, das den Kopf wieder frei macht.«

So, wie er bei den Bibelstudien einen anderen Blick auf sich und seine Umgebung wirft, so ist es sich auch bei seiner ehrenamtlichen Arbeit als Vorsitzender der Karnevalsgesellschaft Ri-Ra-Rutsch in Schwalbach-Griesborn. Schon früh hat er die Sitzungen besucht, half seit 2003 im Vorstand und hat schließlich den Vorsitz des Vereins übernommen. Und er ist stolz, Präsident von 250 Mitgliedern, darunter 150 Kinder und Jugendliche zu sein. Die Arbeit beschränke sich längst nicht auf die Zeit zwischen Saisoneröffnung und Aschermittwoch. Vielmehr fordert der Verein das ganze Jahr über den Vorsitzenden, im vergangenen Jahr war die KG Ri-Ra-Rutsch mit 17 Veranstaltungen aktiv. »Klar, in den Wochen vor Fastnacht häuft es sich, neben unserer Sitzung sind wir auf Veranstaltungen befreundeter Vereine mit dabei, dazu kommen die Umzüge«, sagt er.
Dann, wenn es erst gegen vier Uhr früh ins Bett geht, verrät er, lässt er am Sonntagmorgen auch mal den Gottesdienst ausfallen.
Aktuell ist er wieder mit seinen Vereinskollegen als »Karl« unterwegs, auch allein hat er schon oft die Bütt gerockt.
Ein Spagat zwischen Glauben und Karneval sieht er allenfalls zeitlicher Art.
»Denn neben Karneval und Kirche wartet auch ein anstrengender Berufsalltag als Selbstständiger auf mich«, sagt Wassmuth. »Doch noch fühle ich mich fit, all das zu stemmen.« Carolin Merkel

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