Sterbehilfe und die göttliche Freiheit

Dürfen Christen Sterbehilfe leisten? Um diese und andere Themen ging es beim »Forum sozialdiakonische Ethik« der EmK in Nürnberg. Unter dem Titel »Hilfe beim Sterben – Hilfe zum Sterben « erhielten die Teilnehmer praktische und konkrete Ratschläge. Dafür sorgten fünf Fachreferenten, die am Vormittag jeweils einen kurzen Vortrag hielten und am Nachmittag in einer Podiumsdiskussion Rede und Antwort standen.

Rund 50 Interessierte trafen sich mit den Mitgliedern des Forums und den Referenten und erlebten, dass die Vorträge zu einem so ernsten Thema auch sehr launig sein können und dass die Zuhörer auch miteinander lachen konnten.
Heike Linder, Palliativ-Fachkraft aus Stuttgart, eröffnete den Reigen. Sie machte deutlich, dass das Erleben einer Situation als so unerträglich, dass man nicht mehr weiterleben möchte, von jedem einzelnen Menschen sehr unter-Foto: UMNS schiedlich erfolgt. Dies schilderte sie eindrücklich an drei Beispielen.
Jürgen M. Bauer, Professor für Geriatrie in Heidelberg, nahm in seinem Referat die Beispiele auf und machte unter anderem deutlich, dass eine verantwortungsvolle Medizin sinnlose Therapien im Alter unbedingt vermeiden sollte.
Thomas Gutmann, Professor für Medizinrecht aus Münster, konnte ebenfalls an den genannten Beispielen vielen Zuhörern unter anderem die Sorge nehmen, dass sie, nur weil sie den Patientenwunsch erfüllen, bereits mit einem Bein im Gefängnis stehen.
Der Nürnberger Psychologe Frank Erbguth erläuterte den Begriff Hirntod und konnte der Zuhörerschaft sehr deutlich klar machen, dass ein Mensch ohne Hirnfunktion wirklich tot ist. Das größere Problem dabei seien meist die Angehörigen, die dies nicht akzeptieren wollten. Pastorin Birgit Fahnert, leitende Seelsorgerin in Berlin, konnte das in ihrem Fachreferat bestätigen und wies darauf hin, dass die Angehörigen viel Zeit brauchen, um den eintretenden Tod zu begreifen und anzunehmen.
Im theologischen Referat von Lothar Elsner, dem Theologischen Geschäftsführer der Bethanien Diakonissen-Stiftung, wurde deutlich, dass das Gebot »Du sollst nicht töten« für Christen uneingeschränkt gilt. Dennoch darf jeder Mensch es mit sich und seinem Gott alleine ausmachen, ob er das ihm von Gott geschenkte Leben lebt oder es beendet.
Die von Norbert Böhringer, Mitglied des Forums, geleitete Podiumsdiskussion, bei der zuerst Fragen des Publikums beantwortet wurden, war sehr lebhaft und zeigte noch einmal deutlich, wie gut sich die Referenten aufeinander eingestellt hatten und wie abgerundet die gesamte Thematik dargestellt wurde.
Als Fazit konnte jeder Besucher u.a. mitnehmen: Der Patientenwille steht an erster Stelle, darum ist es ganz wichtig, diesen frühzeitig zu formulieren. Außerdem ist es sehr wichtig, mehr über den Tod zu reden, besonders auch mit nahen Angehörigen.

Wilfried Röcker

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